Do Khyi Standard und der F.C.I.

 
 
 

Was ist eigentlich der FCI Standard, und was bedeutet er?
Fangen wir bei der FCI an.
FCI ist die Abkürzung für die Fédération Cynologique Internationale.
Die FCI ist genau betrachtet nichts anderes wie ein internationaler Verband, dem sich andere Verbände anschließen können, allerdings nur ein Verband pro Mitgliedsland (Monopolisierung).

Für Deutschland ist dieser Verband der VDH (Verband für das deutsche Hundewesen)

Die FCI koordiniert alle Länderverbände in soweit, als das sie gegenseitig ihre Ahnentafeln anerkennen und mit dem FCI-Logo bedrucken dürfen.

Der weitere Vorteil ist der „Markenschutz“ der Züchter, indem jeder Zwingername nur einmal vergeben wird.

Ein Qualitätssiegel ist dieses Logo jedoch nicht!

Zwar besagt die Zuchtordnung der FCI, daß Verbände und Ihre Vereine angehalten sind, auch Erbkrankheiten zu achten und diese bei Auftreten zu registrieren und methodisch zu bekämpfen, allerdings gibt es keine Untersuchungspflicht.

In der Praxis sieht das dann so aus, daß beispielsweise in den Niederlanden das Basisreglement Stamboom

Eine Hündin darf bei der Belegung nicht jünger als 16 Monate sein

Eine Hündin die zum ersten Mal gedeckt werden soll, darf nicht älter sein als 72 Monate (6 Jahre)

Eine Hündin darf nach vollendung von 96 Monaten (8 Jahre) nicht mehr gedeckt werden

Eine Hündin darf 2 Mal in 24 Monaten werfen, wenn der Abstand zwischen der ersten und der zweiten Belegung mindestens 10 Monate auseinander liegen

Eine Hündin darf maximal 5 Mal werfen.

Sind diese Minimal-Bedingungen erfüllt, erhalten die Welpen FCI Ahnentafeln über den Raad van Beheer (Niederländisches FCI-Mitglied)

Ähnliches gilt z.B. auch für diverse osteuropäische Länder.

In Deutschland gilt zwar die Untersuchungspflicht, aber es ist bekannt, daß diese nicht immer eingehalten wird.

So enthält jede Zuchtordnung jedes Verbandes und Vereins den Zusatz, die Zuchtbestimmungen können in begründeten Einzelfällen außer Kraft gesetzt werden.

Besonders pfiffige Züchter haben Hunde in sogenannten Co-Owner-Schaften (Mitbesitzer im Ausland), und brauchen somit ihre Hunde nicht auf HD oder Augenerkrankungen zu untersuchen.

Auch ist gelegentlich der in der Ahnentafel angegebene Vater nicht der tatsächliche Erzeuger.

So wird mit Hunden gezüchtet, die aus gesundheitlichen oder wesensmäßigen Gründen die Zuchtzulassung nicht erhalten würden.

Solange also kein genetischer Abstammungsnachweis der Elterntiere vorliegt, ist eine Ahnentafel einfach nur Papier… mit welchem Logo auch immer…

Neben der gegenseitigen Anerkennung von Ahnentafeln legt die FCI (bzw. das Patronatsland = Ursprungsland der Rasse) den Standard für die Rasse fest, bzw. erkennt diesen an.

Der Standard ist im Grunde genommen nichts anderes, als eine Beschreibung einer Rasse mit einer Auflistung davon, wie groß oder klein, wie schwer, von welcher Farbe – kurzum: Wie ein Hund einer bestimmen Rasse aussehen darf, oder sollte.

Grundsätzlich wurden diese Standards schon sehr früh festgelegt, und zwar immer dann, wenn die systematische Zucht verbunden mit der Registrierung der Hunde gefördert wurde. So wurde der deutsche Boxerclub bereits 1895 gegründet, Dackel und Deutsche Doggen formierten sich bereits 1888.

Der erste Standard für den Do Khyi in der FCI, der damals noch offiziell Tibetdogge oder Tibet Mastiff genannt wurde,wurde 1967 zu Papier gebracht

Nachfolgend der Standard 230 der FCI

Allgemeines Erscheinungsbild

Mächtig, schwer, gut gebaut, mit guter Knochenstärke. Imposant; mit würdevollem und erhabenem Auftreten. Zeigt eine Verbindung von majestätischer Stärke, Robustheit und Ausdauer, tauglich zur Arbeit unter allen klimatischen Bedingungen. Die Rasse entwickelt sich langsam, Hündinnen sind erst mit 2 – 3 Jahren, Rüden frühestens mit 4 Jahren ausgereift

Wichtige Proportionen

Der vom Hinterhauptsstachel zum Stop gemessene Schädel ist von gleicher Länge wie das Vorgesicht, das aber auch etwas kürzer sein darf. Die Körperlänge übertrifft leicht die Widerristhöhe

Verhalten / Charakter (Wesen)

Unabhängig, mit Schutzinstinkt. Respekt einflößend. Höchst ausgeprägte Treue seiner Familie und seinem Territorium gegenüber

Kopf: Breit, schwer und kräftig. Im Erwachsenenalter kann sich eine Falte bilden, die oberhalb der Augen beginnt und bis hinunter zu den Mundwinkeln verläuft.

Schädel: Groß, sehr leicht gewölbt, mit stark ausgeprägtem Hinterhauptstachel

Stopp: Gut ausgeprägt.

Nase: Breit, je nach Fellfarbe so dunkel wie möglich; die Nasenlöcher sind gut geöffnet.

Fang: Ziemlich breit, gut ausgefüllt und tief. Das Fangende ist viereckig.

Lefzen: Gut entwickelt, die Oberlefzen bedecken den Unterkiefer

Zähne / Kiefer: Kräftige Kiefer mit perfektem, regelmäßigem und vollständigem Scherengebiss, wobei die obere Schneidezahnreihe ohne Zwischenraum über die untere greift und die Zähne senkrecht im Kiefer stehen. Zangengebiss erlaubt. Lückenlos schließende Zahnreihen.

Augen: Von mittlerer Größe; braun in allen möglichen Schattierungen abhängig von der Fellfarbe; je dunkler, desto besser. Weit voneinander und etwas schräg eingesetzt, oval. Die Augenlider liegen straff am Augapfel an. Würdevoller Ausdruck.

Ohren: Mittelgroß, dreieckig, herab hängend; zwischen der Schädeldecke und den Augen nach vorn fallend werden sie eng am Kopf anliegend getragen. Bei Aufmerksamkeit werden die Ohren nach vorn gerichtet. Die Ohrlappen sind von weichem, kurzem Haar bedeckt.

Hals: Kräftig, gut bemuskelt, gewölbt. Wamme nicht zu stark entwickelt. Von einer dicken Mähne abstehenden Haars bedeckt, die bei Hündinnen weniger ausgeprägt ist.

Körper: Kräftig

Rücken: Gerade, muskulös

Kruppe: Breit und ziemlich flach

Brust: Recht tief, mäßig breit. Die Rippen sind gut gewölbt, so dass der Brustkorb herzförmig ist. Der Brustkorb reicht bis unter die Ellenbogenhöhe

Rute: Mittellang. Auf Höhe der Rückenlinie hoch angesetzt. Bei Aufmerksamkeit und in der Bewegung hoch und lose über dem Rücken gerollt getragen; gut befedert

Vorderhand: Gerade, gut gewinkelt, rundum gut von kräftigem Haar bedeckt

Hinterhand: Kraftvoll, muskulös, mit guter Winkelung. Von hinten gesehen stehen die Hinterläufe parallel

Schulter: Gut gelagert, muskulös

Ellenbogen: Weder ein- noch ausdrehend

Unterarm: Gerade, starkknochig

Vordermittelfuß: Kräftig, leicht schräg stehend

Oberschenkel: Ziemlich lang; kräftig mit ausgeprägter, harter Muskulatur, die aber nicht hervortritt.

Knie: Gut gewinkelt

Sprunggelenk: Kräftig, niedrig stehend. Mit oder ohne Afterkrallen

Pfoten: Pfoten: Ziemlich groß, kräftig, rund und kompakt. Zwischen den gut gewölbten Zehen gut mit Haar befedert.

Gangwerk / Bewegung: Kraftvoll, aber stets leichtfüßig und elastisch: mit gutem Raumgriff und Schub. Mit zunehmender Geschwindigkeit Neigung zum Schnüren. Der Schritt wirkt sehr bedächtig. Fähig, seine Funktion auf unterschiedlichstem Terrain gleichermaßen ausdauernd und geschmeidig zu erfüllen.

Haar: Die Qualität des Haars ist wichtiger als die Menge. Es ist hart und dick, das Deckhaar ist nicht zu lang, das Unterhaar ist in der kalten Jahreszeit dicht und ziemlich wollig, in den wärmeren Monaten wird es eher spärlich. Bei Rüden ist das Haar deutlich üppiger als bei Hündinnen. Das Haar ist fein, aber hart, gerade und abstehend. Es ist nie seidig, gelockt oder gewellt. Die reiche Behaarung an Hals und Schultern wirkt wie eine Mähne. Die Rute ist buschig und gut befedert. Die Hinterläufe sind hinten im oberen Teil gut befedert

Farbe: Tiefschwarz, mit oder ohne lohfarbene Abzeichen; Blau, mit oder ohne lohfarbene Abzeichen; Gold in allen Schattierungen von sattem Gelbgold bis zu tiefem Rotgold, Zobelfarbe. Alle Farben so rein wie möglich. Die Lohfarbe reicht von intensiver Kastanienfarbe bis hin zu einem helleren Farbton. Ein weißer Stern auf der Brust ist zulässig. Minimale weiße Abzeichen an den Pfoten sind erlaubt. Die lohfarbenen Abzeichen befinden sich oberhalb der Augen, an den unteren Partien der Gliedmaßen, an der Unterseite der Rute sowie am Fang. Eine brillenförmige Zeichnung rund um die Augen wird toleriert.

Größe: Rüden mindestens 65 cm, Hündinnen mindestens 61 cm (2 cm weniger ist Toleranz)

Schwere Fehler

Mangelhafte körperliche Kondition und Fitness.

Kopf leicht oder mit starker Faltenbildung.

Hängelefzen.

Stark ausgeprägte Wamme.

Große und/oder tief angesetzte Ohren.

Helle Augen, starrender Ausdruck.

Schwache Pigmentierung, vor allem der Nase.

Faßförmiger Rippenkorb.

Fest über der Hüfte eingerollte Rute.

Überwinkelte oder steile Hinterhand.

Schwerfällige, unfreie Bewegung.

Untergröße bei einer Toleranz von 2 cm

Ausschließende Fehler

Aggressivität oder übermäßige Scheuheit.

Vorbiss, Rückbiss.

Jede im Standard nicht genannte Farbe, z.B. Weiß, Crème, Grau, Braun (Leberfarben), Fliederfarben, Gestromt und Mehrfarbigkeit.

Hunde, die deutlich physische Abnormalitäten oder Verhaltensstörungen aufweisen, müssen disqualifiziert werden.

Wer jetzt allerdings glaubt, daß der Standard in Stein gemeißelt wird, der irrt ganz gewaltig!

Kein Standard ist jemals so oft in so kurzer Zeit geändert worden, wie der des Do Khyi.

War im ersten Standard die Farbe Blau noch unbekannt, wurde dies in der zweiten Version – nach dem Import des Rüden Tü Bo – gleich nachgebessert. Wärend der damalige Tibet Mastiff noch ein strammes Zangengebiss vorweisen mußte und ein Reibevorbiss – wie häufig bei allen tibetischen Rassen auftretend und teils erwünscht – toleriert wurde, tolerierte man ein Scherengebiss nur, wenn der Eindruck der stumpfen Schnauze nicht verlorenging.

Waren früher nur die Vorderpfoten rundlich, katzenartig, verlangt man dies jetzt auch von der Hinterpfoten

Der Fang, früher 1 zu 1 und Doggenartig, eher tief als breit, muß nach ettlichen Änderungen nunmehr kürzer und gut ausgefüllt sein, und viereckig aussehen.

Sollten bislang alle Farben – Schwarz, Gold, Schwarz und Loh, Blau, Blau und Loh, so rein als möglich sein, so wurde erst kürzlich – auf Betreiben eines Züchters der zufällig auch Richter ist – die Farbe Zobel erlaubt, weil sich diese doch so nett anzuschauen ist und zufällig im Kennel dieses Richters gezüchtet wird….

Auch Größe und Gewicht sind stark in die Höhe gegangen. Waren die Hündinnen früher unter 60 cm so spricht man heute von mindestens 61 cm, wobei man im Showring unter 65 cm gar nicht mehr anzutreten braucht. Bei den Rüden wird nun 65 cm als Mindestgröße gefordert, wobei 75 cm und mehr keine Seltenheit ist.

So wurde der Standard seit 25 Jahren jeweils der vorhandenen Population angeglichen, und beschreibt nun etwas, was mit der Ursprungsform der Tibetdogge nur noch vage etwas zu tun hat.

Spätestens wenn man die wichtigsten Ausführungen des Standards sich in Erinnerung ruft – tauglich zur Arbeit unter allen klimatischen Bedingungen /Fähig, seine Funktion auf unterschiedlichstem Terrain gleichermaßen ausdauernd und geschmeidig zu erfüllen – weiß man, daß keiner der auf Ausstellungen gezeigten Do Khyi auch nur annähernd einen 20 Km Marsch als Begleitung einer Karavane durchhalten würde, schon garnicht über eine Dauer von mehreren Wochen.

Aber Genau diese Ausdauer und Stärke ist es, was eine Tibetdogge ausmacht….

 

Drei Do Khyi Hündinnen in der Himalaya-Region

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3 responses

9 11 2009
The Watcher

Naja, wenn ich da die oben abgebildeten „Zwergdokhyis“ sehe…
die würden wohl heute auf keiner Ausstellung zugelassen, rennen aber vermutlich die gesamte ausgestellte Do-Khyi-Truppe „modernen“ Typs selbst im Flachland hintereinander in Grund und Boden!

Es grüßte The Watcher
Das Netz hat viele Augen

9 11 2009
dokhyi1

Hallo Watcher,

hier liegt bereits der Denkfehler!

Es handelt sich nicht um „Zwerg-Do Khyis“ , sondern um Original Tibetdoggen, aufgenommen von mir persönlich bei einer Züchterin, königlicher Abstammung.

Diese 3 Hündinnen waren zu diesem Zeitpunkt 11, 12 und 14 Jahre alt, und in der Tat noch so fit, daß sie wesentlich jüngeren, in Europa oder China gezüchteten „Do Khyi“ einiges vorgemacht hätten!

Allerdings sind solche Do Khyi in jungen Jahren temperamentvoll und extrem reaktionsschnell….

Eigenschaften, die von Seiten der Züchter und Halter einen wachen Geist, ein vorrausschauendes Handeling und körperliche Fitness erfordern……

Vielleicht züchtet man deswegen diese großen, trägen Hunde und füttert sie ordentlich Fett, damit man weniger Stress mit ihnen hat?

10 11 2009
The Watcher

Hallo Dokhyi1,
ich denke, du hast mich missverstanden!
Zwergdokhyis meinte ich im Vergleich zu den heutigen Riesen“viechern“!
Dass die 3 Mädels noch Dampf im Pöppes haben, kommt auf dem Bild trotzdem rüber. Und von der Größe her dürften sie ungefähr bei 55-60 cm Schulterhöhe liegen. Also: NIX ZWERG!
Und zu deiner Frage/Annahme, das die DK heute bewußt auf Größe und Masse gezüchtet werden: Klingt plausibel und zugleich traurig. Da wird eine Rasse von Arbeitshunden zu verfetteten Statussymbolen degradiert, nur damit man weniger Arbeit mit ihnen hat, gleichzeitig aber gut mit angeben kann.
Wenn diese Riesenburschen dann allerdings wirklich mal marschieren, möchte ich nicht im Weg stehen…..
——————
Es grüßte The Watcher
Das Netz hat viele Augen

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